Archiv für Januar 2010

Brandanschlag in Klingenhain

Pressemitteilung, 25. Januar 2010

Klingenhain: Rassistischer Brandanschlag nach jahrelangen Angriffen -
Opferberatung für Betroffene rechtsmotivierter und rassistischer Gewalt
des RAA Sachsen e.V. unterstützt Sinti Familie.

Am 26. Dezember 2009 brannte das Haus einer Sinti- Familie in
Klingenhain komplett aus. Verletzt wurde glücklicherweise niemand, da
die Familie Weihnachten bei Verwandten verbrachte. Eine Rückkehr nach
Klingenhain kann sich die Familie nicht vorstellen. Das Haus ist
unbewohnbar. Der Caravan- Handel der Familie ist ebenfalls
niedergebrannt. Die Polizei hat derzeit noch keine Erkenntnisse zu den
Tätern. Die Dorfbewohner schweigen.

Dem Brandanschlag gingen jahrelange Anfeindungen und Bedrohungen voraus.
Als die Familie 2003 nach Klingenhain zog, begegneten ihnen die Nachbarn
mit Misstrauen. „Grund ist das Optische, das Äußere. Die ganze Familie
bis zum kleinsten Kind ist dunkel. Wir fallen sozusagen aus der Reihe“,
ist sich Herr H., Vater der Familie, sicher.

Von Beginn an begegneten die Dorfbewohner der Familie mit Antipathie, in
der Schule kam es für Kinder und Eltern wiederholt zu bedrohlichen
Situationen. Schläge, Beleidigungen und Bedrohungen waren an der
Tagesordnung. Herr H.: „Es kam soweit, dass sich Neonazis vor uns mit
Bierfalschen aufbauten, als wir unsere Kinder abholen wollten. Die
Direktorin musste sich schützend vor uns stellen. Die Polizei kam und
hat abgesperrt, damit wir rausfahren konnten.“ Auch ein Schulwechsel
brachte keine Besserung der Situation.

Diesem rassistischen, antiziganistischen Klima blieb die Familie sechs
Jahre lang ausgesetzt: Beschimpfungen als „Zigeuner“ oder „Dreckpack“,
immer wieder Schläge, Einbrüche, Vandalismus. Einmal beschoss ein
Nachbar sogar das Haus. Bei der Polizei gestellte Anzeigen wurden jedoch
alle eingestellt. Nun erklärten die örtlichen Neonazis das Haus zum
Angriffsziel. Von insgesamt vier Vandalismusfällen berichten die
Betroffenen in den vergangenen Monaten. Im September 2009 wurde die
Fensterscheibe des Kinderzimmers mit einem Stein eingeworfen, um den ein
Zettel mit den Worten „Haut ab, ihr Kanaken!“ gewickelt war.

Beraterin Katja Braß sagt dazu: „Der Brandanschlag auf das Haus bildet
den erschreckenden Höhepunkt jahrelanger Diskriminierungen. Ein Zurück
nach Klingehain kann es nicht geben, ihre Existenzgrundlage wurde
komplett zerstört. Für den Aufbau einer neuen Existenz fehlen jedwede
finanzielle Mittel. Eine neue Wohnung für die neunköpfige Familie ist
nicht in Sicht.“

Im Namen der Betroffenen bitten die MitarbeiterInnen der Opferbratung
des RAA Sachsen e.V. um Spenden auf folgendes Konto:

RAA Sachsen e.V.

Kto.-Nr.: 0643998600

BLZ: 85080200

Verwendungszweck: Spende Klingenhain (wichtig anzugeben!)